Segelschule – Hinweise zur Auswahl

Sie möchten segeln lernen und zwar auf kleinen Jollen, also von der Pike auf. Sie möchten einen Segelschein machen und suchen nun eine Segelschule. Vermeiden Sie Fehler bei der Wahl Ihrer Segelschule und gehen Sie richtig vor, damit Sie nachher nicht von Ihrer Segelschule enttäuscht sind.

Segelschule –
Gewerbefreiheit fast ohne Vorschriften

Eine Segelschule darf jeder betreiben; hier herrscht Gewerbefreiheit. Weder die Bundesregierung noch irgendeines der Bundesländer haben haben Vorschriften erlassen, um Segelschulen auf Binnenseen zu kontrollieren oder zu überwachen. Vermutlich besitzen alle Betreiber einer Segelschule einen Segelschein, aber vorgeschrieben ist das nicht. Nicht einmal eine Haftpflichtversicherung wird verlangt. Das Gleiche gilt für Segellehrer. Segellehrer darf sich jeder nennen. Der Deutsche Segler-Verband bietet Segellehrer-Prüfungen an, aber die sind freiwillig. Vor dem Besuch einer Segelschule sollte man sich also informieren.

Segelschule – seien Sie nicht enttäuscht!

Wer Tennis spielen lernen möchte, hat seinen Tennislehrer – glauben Sie nicht, dass es beim Segeln immer genauso läuft. In vielen Segelschulen betreut ein einziger Segellehrer gleichzeitig mehrere Segeljollen, auf denen jeweils zwei oder drei Segelschüler segeln. Dort lernt der Blinde vom Einäugigen; der Segellehrer greift nur bei schweren Fehlern ein. Mal steht der Segellehrer am Ufer und gibt seine Kommandos per Megaphon, mal fährt er mit einem Motorboot zwischen den Jollen herum. Solche Segelschulen behaupten, dass der Segelschüler zunächst einmal Gefühl für das Boot entwickeln müsse. Solche Segelschulen verkaufen ihren Kunden zunächst einen Segelgrundschein. In Wahrheit wollen solche Segelschulen Personalkosten sparen und Umsatz machen. Effizienter Segelunterricht sieht anders aus.

Segelschule – oder Bootsverleih

Kein Witz, aber es wird auch Segelunterricht ohne Segellehrer angeboten – von Bootsverleihern, die auch eine Segelschule betreiben. Nach einer Schmalspurausbildung dürfen Segelschüler an Wochentagen, wenn der Bootsverleih nicht ausgelastet ist, kostenlos eine Jolle ausleihen und eigenverantwortlich weiterüben. Effizienter Segelunterricht sieht anders aus.

Segelschule – ein Segellehrer auf jedem Boot

Bei einer guten Segelschule segeln zwei bis drei Segelschüler auf einem Boot – zusammen mit ihrem eigenen Segellehrer. In einer guten Segelschule segelt auf jedem Boot ein Segellehrer mit und zwar so lange, bis die Segelschüler alle Segelmanöver sicher beherrschen. Das dauert zwei bis drei ganze Tage lang. Danach wird unter Aufsicht des Segellehrers weitergeübt. Am Ende werden so viele Probeprüfungen gesegelt, bis jeder Segelschüler alle Prüfungsmaöver sicher beherrscht. So sieht effizienter Segelunterricht aus. Mit einer solchen Ausbildung kann jeder in einer Woche die Prüfungsreife erlangen.

Segelschule – Ausbildung ohne Plan?

Eine gute Segelschule bildet nicht planlos aus. Eine gute Segelschule legt die Ausbildungsplanung mit den Ausbildungszielen und Ausbildunsginhalten schriftlich fest und übergibt sie vor der Ausbildung an jeden Segelschüler. Auch Informationen zur Bekleidung an Bord, zum Sonnenschutz und der Hinweis auf Duschzeug (wenn man ins Wasser fällt) dürfen nicht fehlen. Auf kleinen Jollen spritzt das Wasser schon bei mittlerem Wind. Wenn kein Badewetter herrscht, benötigen Segler Ölzeug. Stellt Ihre Segelschule Ölzeug zur Verfügung oder müssen Sie es kaufen?

Segelschule – am Schnuppersegeln teilnehmen

Manche Segelschulen bieten Schnuppersegeln an. Hier nimmt man einen Tag lang am normalen Segelunterricht teil und zahlt dafür etwa 50,- €. Wird anschließend ein Segelkurs gebucht, so wird der Betrag auf die Kursgebühr angerechnet, weil dieser Teil der Segelausbildung ja schon erledigt ist. So bekommen Sie einen optimalen Einblick in den Schulungsbetrieb.

Segelkurs – eine oder zwei Wochen Dauer?

Auch ein Segelanfänger kann nach einer Woche Segelunterricht die praktische Prüfung sicher bestehen, insbesondere wenn er die theoretischen Vorkenntnisse aus dem Online-Kurs besitzt. Das setzt aber intensiven, qualifizierten Unterricht und eine entsprechende Ausbildungsplanung voraus. Für eine Segelschule ist es bequemer, den Unterricht auf zwei Wochen zu verteilen. Dann benötigt sie weniger Personal und kann die Segelschüler auch einmal sich selbst überlassen. Wenn schon zwei Wochen, dann sollte in der zweiten Woche ein Aufbaukurs stattfinden und geschult werden, was nicht Gegenstand der Prüfung ist (Spinnaker-, Trapezsegeln und das Segeln auf sportlichen Jollen).

Segelschule – am Urlaubs- oder am Wohnort?

Im Urlaub wird immer ein Wochenkurs gebucht. Das geht nicht anders. Nachteilig dabei ist die oftmals beständige Sommerwetterlage. So schön das Segeln im T-Shirt ist – wer nur bei sommerlichem Leichtwind ausgebildet wurde, besteht – bei schwacher Brise – auch die Prüfung. Aber bei stärkerem Wind kann man danach noch lange nicht segeln. Und wer nur bei frischem Wind das Segeln gelernt hat, bekommt bei schwachem Wind Probleme. Mit einer Segelschule am Wohnort können die Segeltermine individuell vereinbart werden (wenn die Segelschule gut organisiert und flexibel ist). Die Segelausbildung erstreckt sich dann tageweise über vier bis acht Wochen. In dieser Zeit bekommt man jedes Wetter mit.

Segelkurs – Werkvertrag oder Dienstleistungsvertrag?

Ein Werkvertrag ist beendet, wenn das Werk vollendet wurde, wenn Sie also Ihre Segelprüfung bestanden haben. Ein Dienstleistungsvertrag ist beendet, wenn die Dienstleistung erbracht wurde, also wenn der Segelkurs abgeschlossen ist. Natürlich wird sich keine Segelschule auf einen Werkvertrag einlassen. Segelschulen schließen Dienstleistungsverträge mit ihren Segelschülern ab. Dennoch sollten Sie darauf bestehen, dass Sie so lange ausgebildet werden, bis Sie Ihre Segelprüfung bestanden haben. Und wenn die Prüfung nicht mehr in diesem Jahr abgelegt werden kann, dann muss die Segelschule Sie eben im nächsten Jahr wieder ausbilden. Für den Segelschüler ist eine Ausbildung zum Pauschalpreis bis zur bestandenen Prüfung am besten – manche Segelschule sieht das natürlich anders.

Segelschule – wer trägt das Wetterrisiko?

Natürlich werden Sie nicht darauf hingewiesen, aber in der Regel trägt der Segelschüler das Wetterrisiko. Bei Starkwind oder bei Sturm kann nicht gesegelt werden. Auch bei Flaute tut sich nichts. Natürlich können Sie dann Knoten üben, aber die kennen Sie doch schon alle aus dem Online-Kurs. Auch mit Segeltheorie kann man einem Online-Kursteilnehmer nichts bieten. Bestehen Sie vor der Buchung darauf, dass die Segelschule das Wetterrisiko übernimmt und alle Segeltage nachholt, die wegen ungeeigneten Wetters (oder Schäden an einem Boot) ausfallen.

Segelschule – wichtig ist ein guter Segelpartner

Denken Sie von hinten, denken Sie frühzeitig an Ihre Segelprüfung! In der Segelprüfung müssen jeweils zwei Segelschüler auf einem Boot segeln. Prüfer und Ausbilder beobachten von Land aus die Segelmanöver. Wie Sie im Online-Kurs lernen, kann ein schlechter Segelpartner manches Manöver total versauen. Genauso kann ein guter Segler einen schlechten Segelschüler durch die Prüfung lotsen. Suchen Sie sich den besten Segler unter den Segelschülern aus! Segeln Sie möglichst oft und vor allem in der Prüfung mit dem besten Segelschüler! Lebenspartner können später wunderbar zusammen segeln, aber in der Segelschule und in der Segelprüfung segeln sie oftmals mit fremden Segelschülern besser.

Statt Segelschule – Segeln lernen im Segelclub

Segeln lernen in einem Segelclub – eine gute Alternative, wenn Sie sich Ihrem neuen Hobby richtig hingeben wollen. Mein Club, der Kieler Yacht-Club, betreibt eine Segelschule für Jugendliche, die Kieler Yachtschule. Besser als in einem Segelclub können Sie kaum segeln lernen und in den Segelsport hineinwachsen. Aber Sie müssen sich auch in das Vereinsleben integrieren – mit allem, was dazugehört. Das ist nicht jedermanns Sache.