{"id":788,"date":"2015-06-07T18:30:38","date_gmt":"2015-06-07T17:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sportbootfuehrerschein.de\/blog\/?p=788"},"modified":"2017-03-15T17:51:32","modified_gmt":"2017-03-15T16:51:32","slug":"lebensgefahr-nach-einem-sturz-in-kaltes-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sportbootfuehrerschein.de\/blog\/2015\/06\/07\/lebensgefahr-nach-einem-sturz-in-kaltes-wasser\/","title":{"rendered":"Lebensgefahr nach einem Sturz in kaltes Wasser"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer langen Winterpause warten viele Wassersportler sehnlich auf den Saisonbeginn. Zahlreiche Charterer nutzen die g\u00fcnstigen Preise in der Vorsaison f\u00fcr den ersten T\u00f6rn. Zumeist unbeachtet oder verdr\u00e4ngt wird die Tatsache, dass bei den dann herrschenden Wassertemperaturen ein Sturz \u00fcber Bord zumeist t\u00f6dlich endet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Beschleunigte Atmung<\/h3>\n<p>Anders als bei sanftem Hineingleiten reagiert der menschliche K\u00f6rper bei pl\u00f6tzlichem Eintauchen in kaltes Wasser mit einer unkontrollierten, heftigen Atmung (Hyperventilation). Schon der erste Atemzug hat zwei bis drei Liter Volumen. Danach atmet der K\u00f6rper viermal so schnell wie im Normalzustand. Das\u00a0Atemvolumen in der ersten Minute kann\u00a0bis zu 150 l erreichen \u2013\u2002normal sind f\u00fcr einen Erwachsenen im Ruhezustand etwa 7 l. Die Hyperventilation erreicht ihren H\u00f6hepunkt nach 30 Sekunden und kann bis zu\u00a0f\u00fcnf Minuten lang anhalten. Sie belastet das Herz au\u00dferordentlich und erzeugt\u00a0Schwindel, Verwirrung und Panik.<\/p>\n<h3>Unmittelbares Ertrinken<\/h3>\n<p>Versuche haben gezeigt, dass trainierte Menschen, die normalerweise eine Minute lang die Luft anhalten k\u00f6nnen, dies in sehr kaltem Wasser kaum zehn Sekunden lang schaffen. Durch kurze Wellen oder Gischt, ganz allgemein bei bewegter Wasseroberfl\u00e4che, kann in einer solchen Lage leicht Wasser in die Atemwege gelangen \u2013 schon ein Viertel bis ein halber Liter f\u00fchren zum Ertrinkungstod.<\/p>\n<h3>Herzinfarkt, Kreislaufversagen<\/h3>\n<p>Durch die K\u00e4lte verengen sich die Blutgef\u00e4\u00dfe. Auch der erh\u00f6hte Wasserdruck, vor allem auf die Beine, verengt die Blutbahnen, sodass nicht nur der Blutdruck steigt,\u00a0sondern auch\u00a0viel mehr\u00a0Blut\u00a0in die\u00a0Lunge und zum Herzen gelangt. Das Herz muss mehr und schneller pumpen. \u00c4ltere Menschen und Personen mit hohem Blutdruck k\u00f6nnen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden.<\/p>\n<h3>Schwimmversagen<\/h3>\n<p>Nach englischen Statistiken passieren\u00a0\u00fcber 50 % der Ertrinkungsunf\u00e4lle durch Schwimmversagen in weniger als 3 m Entfernung vom Retter. Medizinisch ist dies so zu erkl\u00e4ren: Arme und Beine besitzen eine gro\u00dfe Oberfl\u00e4che, sodass sich hier die Blutgef\u00e4\u00dfe schnell verengen. Dann werden Nerven, Muskeln und Gelenke nicht mehr ausreichend mit W\u00e4rme versorgt. Das schr\u00e4nkt die Funktionst\u00fcchtigkeit der Extremit\u00e4ten stark ein. Sogar gute Schwimmer schaffen in sehr kaltem Wasser kaum noch zwei bis drei Meter. Unkoordinierte Bewegungen der Arme und Beine lassen zuerst den Unterk\u00f6rper absacken, dann kann auch der Kopf nicht mehr \u00fcber Wasser gehalten werden. Schwimmbewegungen beschleunigen den W\u00e4rmeverlust. Durch Bewegung entweicht auch die\u00a0in der Kleidung eingeschlossene Luft, das\u00a0verringert den Auftrieb. Auch die Kraft in den Fingern und deren Beweglichkeit nimmt rapide ab, sodass Menschen in kaltem Wasser sich nicht festhalten, ja manchmal nicht einmal die Rei\u00dfleine einer defekten Automatikweste ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Unterk\u00fchlung<\/h3>\n<p>Bei Unterk\u00fchlung k\u00f6nnen Herz, Lunge, Gehirn und andere lebenswichtige Organe versagen. Frauen unterk\u00fchlen schneller als M\u00e4nner, Menschen in guter k\u00f6rperlicher Verfassung unterk\u00fchlen langsamer, Schwimmen beschleunigt die Unterk\u00fchlung \u2013 wann Unterk\u00fchlung eintritt, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab. Unterk\u00fchlte Menschen sollten liegend aus dem Wasser geborgen werden; das ist auf Sportbooten genauso wenig m\u00f6glich wie die anschlie\u00dfende medizinische Versorgung.<\/p>\n<h3>Ausr\u00fcstung<\/h3>\n<p>Ein K\u00e4lteschutz-\/\u00dcberlebensanzug oder zumindest Kleidung in mehreren Schichten unter einem wasserdichten Overall, der an F\u00fc\u00dfen, H\u00e4nden und am Hals verschlossen ist, verringert die Ausk\u00fchlung. Allerdings lecken solche Anz\u00fcge bei Schwimmbewegungen und ein Liter Wasser reduziert die Isolationsf\u00e4higkeit um ein Drittel. Selbstverst\u00e4ndlich ist eine gut sitzende Rettungsweste. Sie sollte mit Schrittgurt und Spraycap versehen sein. Luft in der Bekleidung kann den Auftrieb so ver\u00e4ndern, dass die Atemwege unter Wasser geraten.<\/p>\n<h3>Verhalten im Wasser<\/h3>\n<p>Je besser Fitness und k\u00f6rperliche Verfassung, je weniger Bewegungen im kalten Wasser, desto geringer der K\u00e4lteschock. Ruhe bewahren und die Atmung kontrollieren, doch vor allem niemals die Hoffnung auf Rettung aufgeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer langen Winterpause warten viele Wassersportler sehnlich auf den Saisonbeginn. Zahlreiche Charterer nutzen die g\u00fcnstigen Preise in der Vorsaison f\u00fcr den ersten T\u00f6rn. 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