Stern

Monatsarchiv für November 2009

Die neuen Sportbootführerschein-Prüfungen

Montag, den 2. November 2009

Wer schlau ist, macht jetzt noch zu den alten, vereinfachten Bedingungen seinen Sportbootführerschein. 2008 hatte die Politik beschlossen, dass ein Sportbootführerschein zukünftig leichter zu erwerben sein soll. Doch davon ist jetzt, im Januar 2011, keine Rede mehr.

Sportbootführerschein – Prüfung per Multiple Choice

Bisher müssen die Antworten hingeschrieben und zukünftig sollen sie nur noch angekreuzt werden – das war die Vorgabe für die Reform gewesen. Auch dass stets genau eine der vier angebotenen Antworten richtig sein soll, klingt gut. Aber jetzt wird bekannt, dass auch die “falschen” Antworten richtige Antworten sind, nur bei anderen Fragen. Man muss sich daher sehr konzentrieren, um die unterschiedlichen Antworten zu verstehen und man muss die dahinter stehende Materie genau kennen. Zudem sehen alle vier Antworten ähnlich aus, sodass ein fotografisches Gedächtnis nicht weiterhilft.

Sportbootführerschein – die Prüfungsfragebogen werden nicht mehr veröffentlicht

Bis heute werden die Original-Prüfungsfragebogen veröffentlicht, sodass jeder sein Wissen vor der Prüfung testen kann. Das wird demnächst anders sein. Dann wird nur der Fragenkatalog veröffentlicht, und zwar sodass die richtige Antwort immer an erster Stelle steht. Danach kann man natürlich nicht lernen. Denn es soll unbedingt vermieden werden, dass lediglich die Prüfungsfragen auswendig gelernt werden. Sogar personalisierte Prüfungsfragebogen sind im Gespräch. Dann wäre bei einem Prüfling zum Beispiel die dritte Antwort richtig, während sein Nachbar, der die gleiche Frage beantwortet, das Kreuzchen bei der ersten Antwort machen müsste.

Sportbootführerschein – nicht nur Fragen lernen

Damit der Fragenkatalog nicht einfach auswendig gelernt werden kann, werden die Fragen und die Antworten mit nautischen, meteorologischen und seemännischen Fachbegriffen gespickt. Wer die Materie nicht kennt, versteht den Fragenkatalog überhaupt nicht. 43 Fragen werden aus dem Fragenkatalog gestrichen. Doch diese Fragen verschwinden nicht – sie werden in einer separaten Navigationsprüfung gestellt. Per Multiple Choice werden nur die Gebiete Seemannschaft, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde abgefragt. Das Fach Navigation wird extra geprüft; dabei müssen die Lösungen in eine amtliche Seekarte (Ausschnitt) gezeichnet werden.

Sportbootführerschein – Navigation in Seekarten erheblich erschwert

Wer geglaubt hatte, dass alles doch nicht so schlimm sei, der soll sich warm anziehen, wenn es in die neue Navigationsprüfung geht. Umfang und Schwierigkeit der Navigationsaufgaben werden auf das Dreifache der heutigen Prüfung steigen. Kritiker sprechen schon von einem SKS-Schein im Kleinformat – dort dauert allein die Navigationsprüfung 90 Minuten.

Sportbootführerschein – demnächst zwei Prüfungen statt einer

Bei Multiple Choice müssen 90% aller Fragen richtig beantwortet werden und in der Navigationsprüfung 80%. Wer diese Hürde reißt, ist durchgefallen. Beide Prüfungsteile – Multiple Choice Fragebogen und Navigationsaufgabe werden getrennt bewertet. Wer nur eine Teilprüfung nicht besteht, muss beide Teile wiederholen. Heute gibt es einen Fragebogen; da reichen 80% aus. Und wer 66% bis 79% der möglichen Punkte erreicht, bekommt eine zweite Chance in einer mündlichen Nachprüfung. Eine zweite Chance wird es zukünftig nicht mehr geben; 90% richtig beim Fragebogen und 80% richtig bei der Navigationsprüfung müssen im ersten Anlauf erreicht werden.

Sportbootführerschein – für Prüfer kein Spielraum mehr

Heute kann der Prüfer entscheiden, ob eine Antwort richtig oder halb richtig ist und entsprechend die Punkte vergeben. Die Prüfer sind bisher immer großzügig gewesen; wer den Sinn halbwegs erfasst hat, erhält die volle Punktzahl. Auch Fragen, die anstatt mit Worten mit einer kleinen Skizze beantwortet werden, gelten als richtig. Selbst wenn wichtige Antwortteile fehlen – wenn nur ein Stichwort passt, gibt es zumindest einen Punkt. Das wird zukünftig anders. Demnächst wird mit Schablone korrigiert; falsches Kreuzchen gleich null Punkte.

Sportbootführerschein – die Praxis wird nicht wichtiger

Die praktische Prüfung sollte mehr Bedeutung bekommen; das war auch ein wichtiges Ziel gewesen. Was ist daraus geworden? Statt Anlegen oder Ablegen wird zukünftig Anlegen und Ablegen geprüft. (Auch heute muss der Prüfling beides können, weil ja nicht bekannt ist, was geprüft wird.) Und statt fünf (von sieben) Seemannsknoten sollen zukünftig sechs vorgemacht werden.

Sportbootführerschein Binnen – weniger Fragen

Derzeit umfasst der Fragenkatalog für den Sportbootführerschein Binnen in der Motorversion 400 Fragen und für Segler weitere 93 Fragen. Hier soll gekürzt werden. Demnächst wird es 300 Fragen für Motorbootfahrer geben und dazu noch 50 Fragen für angehende Segler. Das ist vernünftig. Aber schon heute ist der Stoffkatalog beim Sportbootführerschein Binnen erheblich kleiner als beim Sportbootführerschein See. Der entscheidende Unterschied zwischen See und Binnen ist heute, dass in der Seeschein-Prüfung jedes Thema mit einer Frage abgehandelt wird, während in der Binnen-Prüfung zu jedem Thema drei, vier fünf oder mehr Fragen existieren. Das soll demnächst anders werden.

Sportbootführerschein – die Reform kommt nicht mehr in 2011

Obwohl die Vorbereitungen bereits weit gediehen sind, muss für 2011 nicht mehr mit der Umstellung gerechnet werden. Personalmangel sei der Grund. Die zuständige Sachbearbeiterin sei im Mutterschaftsurlaub; ein Ersatz müsse gesucht und eingearbeitet werden – und das dauere eben seine Zeit. Insider, die an der Reform mitarbeiten, erklärten auf der Düsseldorfer Bootsausstellung, dass damit gerechnet wird, dass zukünftig mehr Prüflinge die Prüfung nicht bestehen werden. Vielleicht ist das der wahre Grund für die erneute Terminverschiebung.

Der Online-Kurs kann weiter genutzt werden

In der Vergangenheit gab es bei Änderungen im Fragenkatalog immer eine Übergangsfrist, in der Prüflinge, die nach dem alten Katalog ausgebildet wurden, auch noch nach der alten Fassung geprüft wurden. Damit ist auch dieses Mal zu rechnen. Sobald der neue Fragenkatalog veröffentlicht wird, wird auch der Online-Kurs umgestellt. Online-Kursteilnehmer können dann selbst entscheiden, ob sie sich nach der alten oder nach der neuen Variante auf die Prüfung vorbereiten wollen.